Parvati

PARVATI – die Schönheit

 

 GATTE:

 Shiva

 

IKONOGRAPHIE:

 Dunkle Haut, reich geschmückt, vier Arme, hält geschlossene Lotosblüte, drittes Auge

 

REITTIER:

 Berglöwe

 

WAFFEN:

 Dreizack, Pfeil und Bogen, Axt

 

HAUPTQUALITÄTEN:

 Physische und seelische Schönheit, Erotik, Mütterlichkeit

 

QUALITÄTEN:

 Treue, Güte, Geduld und Zuwendung, Geborgenheit, Familie

 

MANTRA:

 OM-Kleem Parvatiyei Namaha

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Parvati ist die Weltenmutter und  Göttin der Schönheit und Güte. Ihr Name heißt wörtlich übersetzt „dem Gebirge zugehörig“ oder „Tochter des Berges“, denn sie ist die Tochter von Himavat, dem Gott des Himalaya.

 

Parvati ist Shivas Gemahlin und seine Shakti, seine dynamische Energie. Die Göttin gilt als Manifestation des Weiblichen schlechthin, als Inbegriff der Schönheit und Sinnlichkeit. Parvati ist wohlwollend, kinderlieb, zärtlich, hingebungsvoll und umsorgend. Zusammen mit Shiva symbolisiert sie das kosmische Liebespaar. Shiva entspricht dem Himmel, Parvati der Erde.

 

Häufig werden Shiva und Parvati beziehungsweise Shakti in einer erotischen, ekstatischen Umarmung dargestellt. Das Verhältnis zwischen Shiva und Parvati ist innig. In den Schriften wird berichtet, dass Shiva sein geheimes Wissen über Yoga vollständig an seine Geliebte weitergegeben hat. Parvati ist die Einzige, die Shiva aus seiner Versenkung erwecken und ihn zu einem umsorgenden Familienvater machen kann. Letztlich kontrolliert Parvati die männlichen Energien. Viele Geschichten aus alten Shakta-Texten illustrieren ihre Überlegenheit und damit die Macht des Weiblichen über das Männliche.

 

Parvati ist die Tochter von Himavat, dem Gott des Himalaya, und Menga, der Bergnymphe. Ihre Schwester ist Ganga, die Göttin des Ganges, und ihre beiden Söhne sind Skanda (auch Kartikeya) und Ganesha.

 

Parvati ist unter vielen Namen bekannt – unter anderen als  Shivaduti („die Botin Shivas“), Shivamurti („Verkörperung Shivas“) oder Bhagavati („die Erhabene“). Weitere Namen sind Amba oder Ambika ("Mutter"), Bhagavati ("Erhabene") oder Jagamdamba ("Weltmutter").

 

Parvati ist die Wiedergeburt von Sati, der ersten Frau Shivas. Sie tritt in verschiedenen Erscheinungsformen auf, die die beiden Pole Erhaltung und Zerstörung zum Ausdruck bringen, welche auch für Shiva charakteristisch sind.

 

Durga, Kali, Chandi und Tara sind die furchterregenden, dunklen Inkarnationen, während Maha Gauri, Lalita oder Katyayani als gütige, lichte Göttinnen auftreten. Besonders Durga und Kali sind in Indien sehr populär. Doch auch wenn diese als eigenständige Gottheiten verehrt werden, handelt es sich im Wesentlichen doch immer um unterschiedliche Erscheinungsformen derselben Göttin.

 

Auf Darstellungen ist Parvati fast immer gemeinsam mit Shiva zu sehen. Sie hat eine dunkle Haut und ist reich geschmückt. Parvati wirkt immer freundlich und gütig; sie trägt weiße Gewänder, die für Erleuchtung und Weisheit stehen. Wird Parvati gemeinsam mit Shiva abgebildet, so hat sie zwei Arme. Ist sie alleine zu sehen, sind es vier.

 

Auf Bildern, die die heilige Familie zeigen, steht oder sitzt sie neben Shiva und hält ihren Sohn Ganesha auf dem Arm oder auf dem Schoß. Manchmal ist auch ihr zweiter Sohn Skanda zu sehen. Parvatis Reittier ist der Berglöwe, manchmal der Tiger.

 

Shiva war einst mit Sati verheiratet, die aber tragischerweise Selbstmord beging, indem sie in ein Feuer sprang. Shiva war untröstlich und wollte niemals wieder heiraten. Aber Jahre später verschrieb sich eine junge Frau namens Parvati (die Wiedergeburt Satis) einem strengen Leben in Meditation, um Shiva für sich zu gewinnen. Jahrelang meditiert sie im Himalaya, regungslos in strömendem Regen und brütender Hitze und ohne dem Ansturm von Elefanten zu weichen. Eines Tages aber hörte sie ein Kind weinen und sie sprang sofort auf, um zu helfen. Es war aber nur Shiva, der ihre Entschlossenheit testen wollte. Sie hatte den Test zwar nicht bestanden, aber Shiva war so berührt, dass sie das, was sie sich am meisten wünschte, aufgab, um jemandem in Not zu helfen, dass er Parvati zur Frau nahm.

 

Genauso wie Shiva hat Parvati den Doppelaspekt von Erhaltung und Zerstörung. Hauptsächlich verkörpert sie jedoch das Sinnbild der lebenspendenden, lebenserhaltenden Mutter. Als Parvati wird sie niemals zornig dargestellt. Verkörpert sie dagegen den Aspekt der Zerstörung, wird sie Kali oder Durga genannt. Im Shaktismus ist sie die Verkörperung der göttlichen Energie, der Shakti, ohne die der in sich ruhende Gott Shiva seine Funktion nicht erfüllen könnte. Die Schriften benutzen eine Reihe von Bildern und Metaphern, um die komplementäre Identität von Shiva und Shakti zu verdeutlichen. So ist Shiva der Himmel, Parvati die Erde, Shiva das Subjekt, Parvati das Objekt, Shiva die Sonne, Parvati das Licht. Die Ikonographie zeigt darum auch beide in einer einzigen Gestalt als Ardhanarishvara, halb männlich, halb weiblich, wobei Parvati die linke, weibliche Seite und Shiva die rechte, männliche bildet.

 

Parvati wird jedoch nicht nur als Gattin Shakti des Shiva verehrt, sondern tritt eigenständig in verschiedenen Formen auf, z. B. als Gauri, der Weißlichen, einer Berggöttin, Uma ("Gnädige"), oder Annapurna, einer liebevollen Ernährerin aller Wesen.

 

Quellenangabe:

Text: Shvia Shva (Govinda Kalashatra)